Cerastes vipera photographié par Michel Aymerich
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Paysage bas Draa

EusparassusHéron garde boeufsStenodactylus sthenodactyluscorbeaux brunsandroctonus mauretanicusJaculus jaculusMalpolon monspessulanusMeriones libycusSpalerosophis dolichospilus


                   

Seit ungefähr fünfzehn Jahren wird den Ethnologen in zunehmendem Maße bewusst, dass das Problem des Kampfes gegen Rassenvorurteile auf menschlicher Ebene ein viel umfassenderes Problem widerspiegelt, das noch dringender einer Lösung bedarf. Ich spreche von dem Verhältnis zwischen dem Menschen und anderen lebenden Arten. Es ist zwecklos, das eine Problem ohne das andere lösen zu wollen. Denn die Achtung gegenüber den eigenen Artgenossen, die wir vom Menschen erwarten, ist lediglich ein Einzelaspekt der allgemeinen Achtung vor allen Formen des Lebens.“
Claude Lévi-Strauss

Gründungserklärung der GEOS

(Studien- und Beobachtungsgruppe zum Schutz der wilden Tiere und der Ökosysteme und für ein neues Verhältnis zu anderen Arten)

Für eine neue Beziehung der Menschen zu anderen Tieren...

    Das Ziel der GEOS ist die Förderung der Studien und der Beobachtungen der Wildfauna und der Ökosysteme, um damit vorrangig den Arten und dem Umweltschutz zu dienen und zum Entstehen eines qualitativ neuen Verhältnisses zu nicht menschlichen Tieren beizutragen.

     Eine beispiellose ökologische Katastrophe

    Wir erleben an dieser Jahrhundertschwelle eine beispiellose Umweltkatastrophe. Die sechste massive Artenvernichtung - aber die erste, die von Vertretern einer einzigen Art verursacht wurde: Homo sapiens sapiens.  Diese  haben sich zwar ihre lateinische Bezeichnung  des „verständigen Menschen“ angeeignet aber vernichten durch ihre Produktions- und Konsumtionsweisen zahlreiche Arten und zerstören ganze Ökosysteme. Das dauert seit der „Agrarrevolution“ bis zur heutigen Zeit an.

    Um dies zu erreichen, fahren sie mit unterschiedlicher Verantwortlichkeit fort mit der Ausrottung –heute vorrangig durch das Mittel des „kulturellen Genozides“ (Aimé Césaire), aber außerdem auch durch physische Vernichtung  der noch bestehenden Jäger und Sammler - Bevölkerungen, Bewahrer der Urkulturen, welche  in der gesamten Menschheitsgeschichte die einzigen sind, die praktisch veranschaulichen  können, dass die Menschheit in einer relativen Symbiose mit der ganzen lebendigen Welt existieren kann.

    Die Rasanz der massiven Vernichtung, welche wir heutzutage erleben, ist einmalig. In diesem Sinne handelt es sich um die Erste ihrer Art und nicht um die Sechste. Nach Meinung einiger Ökologen sind die Vernichtungsraten um das tausendfache bis zehntausendfache bedeutender als die der vorigen Großkrisen. Ein Autor, Daniel Quinn, schätzt die Zahl der Arten, die täglich für immer verschwinden auf ca. 200.
   
    Diese Tatsachen sind Zeugnis einer unerträglichen Barbarei: sowohl in moralischem als auch in kulturellem Sinne.
So schlussfolgerte Théodore Monod:



       Dodo
Der Dodo

  Leider ist der Tag noch nicht gekommen, an dem das Aussterben einer lebendigen Art ebenso als ein Vergehen angesehen sein wird, wie die Zerstörung eines künstlerischen Meisterwerks. Eigentlich ist die Sachlage noch schlimmer, weil man natürlich ein Meisterwerk wieder herstellen oder ein Gemälde wieder erschaffen kann,  aber wer wird den Riesenalk, die Wandertaube, den Dodo oder das Zebra quagga wieder ins Leben zurückrufen?

   
    Das ist aber gleichzeitig unerträglich in bezug auf die Zukunft der Lebewesen auf der Erde. Wie sieht unsere Zukunft aus, unsere und die der jüngeren Generationen, wenn wir unseren Teil der Verantwortung nicht auf uns nehmen?
   
    Wir wissen, dass wir bereits steil bergab gleiten: „Überall werden die Bodenschätze erschöpft, während die Verschwendung wächst und die  Ungleichheiten zunehmen: 20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der Ressourcen. Die anderen versuchen sich zu helfen, so gut sie können. Drei Milliarden Menschen leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Die Umweltverschmutzung nimmt zu; jeden Tag sterben 25.000 Menschen in der dritten Welt an den Folgen der chemischen und bakteriologischen Wasserverschmutzung [...]“ (Nicolas Hulot) 
    Bald wird allein die Stadtbevölkerung eine Zahl von fünf Milliarden erreichen und in wenigen Jahrzehnten wird die gesamte Weltbevölkerung zehn Milliarden ausmachen.
   
    Diese Zahlen entfalten ihre ganze Bedeutsamkeit, wenn man sich bewusst macht, dass die Population der Braunbären in Frankreich zahlenmäßig kleiner ist als eine einzige französische Großfamilie (samt Großeltern, Onkeln und Tanten, Cousinen und Cousins);  dass in Marokko sowohl die Population der Panther als auch die der Geparden und wahrscheinlich sogar schon die der Hyänen zahlenmäßig kleiner als eine einzige marokkanische Familie ist. In jedem Land sind unbegrenzte Beispiele erkennbar, die veranschaulichen, dass wir maßlos viel Platz besetzen und die Erde buchstäblich aufzehren, und dabei die Lebensbedingungen von Milliarden Kindern, Frauen und Männern verschlimmern, so dass sich, falls dieser Prozess nicht bald gestoppt und in die Gegenrichtung gelenkt wird, die Frage des Überlebens selbst für die menschliche Gattung stellt.
   
    Jahrhundertelang oder sogar jahrtausendelang haben unsere „Zivilisationen“ ein sich kontinuierlich verschlechterndes Verhältnis zu den anderen Gattungen unterhalten und reproduziert. Dieses Verhältnis hat seine Entsprechung in dem blutroten Pfeil der Geschichte durch die Herausbildung einer künstlichen Gegensätzlichkeit zwischen
Humanität und Animalität“, „Seele und Körper“, „Mann und Frau“, „Zivilisiertem und Wildem“, „Weißem und Schwarzem“, „Arier und Jude“, „Tutsi und Hutu“, usw., gefunden.

    Heute nimmt diese Opposition häufig die Form des entfremdeten Besitzers der letzten technologischen Erfindung gegenüber dem Vergessen der „Entwicklung“ an. Obwohl diese Gegenüberstellungen chronologisch aufeinander zu folgen scheinen, überlagern sie sich oft um zusammen einen Komplex von Vorurteilen zu bilden, der sich  hinter der hübschen Maske  „Kultur“ versteckt.
    „Es ist niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein“ schrieb Walter Benjamin.

    Dieser unheilvolle Prozess, hier skizziert, erreicht seine historische Grenze. Gegenwärtig, „mit steigender Tendenz“ von einer direkten Beziehung zu den anderen Arten und der Natur weit entfernt, als echte „denaturierte Tiere“ versinken wir in einer künstlichen und entzauberten Welt, einer Quelle größter Gefahren.
   
    Auf der Basis dieser Feststellungen und dieser Werte und der Weltanschauung die sich daraus entwickelt, haben wir unseren Teil der Verantwortung auf uns genommen, nämlich eine Aktion zu starten, zwar bescheiden in ihren Proportionen, aber groß in ihren Absichten und ihrer symbolischen Bedeutung, um an der notwendigen Umkehr der Dinge mitzuwirken.
   
    Ziele des Vereins   
  • Die GEOS hat als erstes Ziel  zu der Entwicklung einer neuen Beziehung der Frauen –und Männer zu den anderen Tierarten beizutragen, um der Veränderung des bestehenden Herrschafts- und Zerstörungsverhältnisses in Richtung eines wiedergefundenen Gleichgewichtes und eines neuen Respekts in der Geschichte der Menschheit zu verhelfen.
  • Die GEOS wird durch eine Ethik des Respekts vor allen Formen des Lebens, bezogen sowohl auf Wirbeltiere als auch auf den größten Teil der Wirbellosen (Insekten, Spinnentiere, usw.) getragen.
  • Die GEOS wird Exkursionen, Naturreisen und Expeditionen in Frankreich wie auch in verschiedene Gebiete der Welt, vor allem in Afrika, insbesondere in Regionen der Sahara organisieren. Gegenstand dieser Exkursionen, Reisen und Expeditionen wird es sein, sowohl unterschiedliche Tierarten zu beobachten– ohne dabei die Pflanzenwelt zu ignorieren – als auch die Teilnehmer dazu zu bewegen systematisch die gemachten Beobachtungen und Photographien zusammen zu führen um sie entweder im Internet oder in einem Bulletin oder etwa in Zeitschriften zu veröffentlichen - und dies im Dienst  der Rettung von gefährdeten Arten und Ökosystemen. Dabei werden diese Natur bezogenen Exkursionen, Reisen und Expeditionen  unter Beachtung der von der GEOS initiierten Charta für die Achtung der Arten und Ökosysteme organisiert und dazu beitragen, dass dies auf eine solche Art und Weise erfolgt, die durch Förderung einer  nachhaltigen und erträglichen Entwicklung imstande sein wird, die betroffenen Bevölkerungen von unserer Herangehensweise zu überzeugen.
  • Die GEOS wird sich auch bemühen theoretische, philosophische  Denkarbeit und entsprechende Schriften anzuregen. Die besten Schriften werden entweder auf der Homepage des Vereins oder auf anderen Supports veröffentlicht.
  • Die GEOS wird sich bemühen, bei den jüngeren Generationen, bei den Lehrkräften und Bevölkerungen eine Rolle zu spielen bei der Sensibilisierung zum  notwendigen  Respekt sowohl gegenüber der Biodiversität als wesentlicher Bestandteil unserer Biosphäre als auch zum nicht weniger notwendigen Respekt gegenüber den zahlreichen einzelnen Vertretern verschiedener Gattungen (Wirbeltiere und Wirbellose)
   

 
Du wirst mit gleicher Höflichkeit Schlangen, Skorpione, Taranteln und jede schädliche Bestienart behandeln. Schädlich bist Du selbst mehr noch als die Bestie: Bist es Du selbst, den Du in ihr bestrafen möchtest? Lasse sie weglaufen, und deine Tücke mit ihr
schrieb
Lanza del Vasto.
   
     
Galeode
Solifuge im Norden der marokkanischen Sahara. ©M.A.
    Ein wichtiger Respekt, davon sind wir überzeugt, sowohl für unser intellektuelles und moralisches Gleichgewicht als auch für die Entwicklung unserer Gattung wie auch für die Mannigfaltigkeit des Lebens auf die Erde. Eins der Mittel um das zu erreichen ist es Vorurteile zu enthüllen, irrationelle Ängste und Phobien zu überwinden, die oft unsere Beunruhigung nicht zu kontrollieren und zu beherrschen vermögen „Wir sind zum Beherrschen erzogen. Alles was uns nicht gehorcht macht uns Angst.“ (François Terasson)

  • Die GEOS wird Verbindungen und Beziehungen zu anderen Vereinen, Institutionen, Forschungszentren, Universitäten, Personen, usw. herstellen und pflegen, welche ebenfalls in  Richtung der in dieser Gründungserklärung erklärten  Ziele  wirken.
  • Dabei wird die GEOS eine privilegierte Partnerschaft mit dem GERES (Groupe d'Etude et de Recherches des Ecologistes Sahariens) aufrechterhalten. 


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