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„Seit
ungefähr
fünfzehn Jahren wird
den Ethnologen in zunehmendem Maße bewusst, dass das Problem des
Kampfes gegen
Rassenvorurteile auf menschlicher Ebene ein viel umfassenderes Problem
widerspiegelt, das noch dringender einer Lösung bedarf. Ich
spreche von dem
Verhältnis zwischen dem Menschen und anderen lebenden Arten. Es
ist zwecklos,
das eine Problem ohne das andere lösen zu wollen. Denn die Achtung
gegenüber
den eigenen Artgenossen, die wir vom Menschen erwarten, ist lediglich
ein
Einzelaspekt der allgemeinen Achtung vor allen Formen des Lebens.“
Claude
Lévi-Strauss
Gründungserklärung
der GEOS
(Studien-
und
Beobachtungsgruppe zum Schutz der wilden Tiere und der Ökosysteme
und für ein
neues Verhältnis zu anderen Arten)
Für
eine neue
Beziehung der Menschen zu anderen Tieren...
Das
Ziel der GEOS
ist die Förderung der Studien und der Beobachtungen der Wildfauna
und der
Ökosysteme, um damit vorrangig den Arten und dem Umweltschutz zu
dienen und zum
Entstehen eines qualitativ neuen Verhältnisses zu nicht
menschlichen Tieren
beizutragen.
Eine
beispiellose
ökologische Katastrophe
Wir
erleben an dieser
Jahrhundertschwelle eine beispiellose Umweltkatastrophe. Die sechste
massive
Artenvernichtung - aber die erste, die von Vertretern einer
einzigen Art
verursacht wurde: Homo sapiens
sapiens. Diese haben sich
zwar ihre lateinische
Bezeichnung des „verständigen Menschen“
angeeignet aber vernichten durch ihre Produktions- und
Konsumtionsweisen
zahlreiche Arten und zerstören ganze Ökosysteme. Das dauert
seit der
„Agrarrevolution“ bis zur heutigen Zeit an.
Um dies zu erreichen,
fahren sie
mit unterschiedlicher Verantwortlichkeit fort mit der Ausrottung –heute
vorrangig
durch das Mittel des „kulturellen
Genozides“ (Aimé
Césaire), aber außerdem auch
durch physische Vernichtung der noch
bestehenden Jäger und Sammler - Bevölkerungen, Bewahrer der
Urkulturen, welche in der gesamten Menschheitsgeschichte die
einzigen sind, die praktisch veranschaulichen können,
dass die
Menschheit in einer relativen Symbiose mit der ganzen lebendigen Welt
existieren kann.
Die Rasanz der massiven Vernichtung, welche wir
heutzutage
erleben, ist einmalig. In diesem Sinne handelt es sich um die Erste
ihrer Art
und nicht um die Sechste. Nach Meinung einiger Ökologen sind die
Vernichtungsraten um das tausendfache bis zehntausendfache bedeutender
als die
der vorigen Großkrisen. Ein Autor, Daniel Quinn, schätzt die
Zahl der Arten,
die täglich für immer verschwinden auf ca. 200.
Diese
Tatsachen sind Zeugnis
einer unerträglichen Barbarei: sowohl in moralischem als auch in
kulturellem
Sinne. So schlussfolgerte
Théodore Monod:
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Der Dodo
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„Leider
ist der Tag noch nicht
gekommen, an dem das Aussterben einer lebendigen Art ebenso als ein
Vergehen
angesehen sein wird, wie die Zerstörung eines künstlerischen
Meisterwerks. Eigentlich
ist die Sachlage noch schlimmer, weil man natürlich ein
Meisterwerk wieder
herstellen oder ein Gemälde wieder erschaffen kann, aber wer
wird den Riesenalk, die Wandertaube, den Dodo
oder das Zebra quagga wieder ins Leben zurückrufen? “
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Das ist aber
gleichzeitig
unerträglich in bezug auf die Zukunft der Lebewesen auf der Erde.
Wie sieht
unsere Zukunft aus, unsere und die der jüngeren Generationen, wenn
wir unseren
Teil der Verantwortung nicht auf uns nehmen?
Wir wissen, dass wir bereits
steil bergab gleiten: „Überall
werden die Bodenschätze
erschöpft, während die
Verschwendung wächst und die Ungleichheiten
zunehmen: 20% der Weltbevölkerung verbrauchen 80% der Ressourcen.
Die anderen
versuchen sich zu helfen, so gut sie können. Drei Milliarden
Menschen leben von
weniger als zwei Dollar pro Tag. Die Umweltverschmutzung nimmt zu;
jeden Tag
sterben 25.000 Menschen in der dritten Welt an den Folgen der
chemischen und
bakteriologischen Wasserverschmutzung [...]“ (Nicolas Hulot)
Bald wird allein die
Stadtbevölkerung
eine
Zahl von fünf Milliarden erreichen und in wenigen Jahrzehnten wird
die gesamte
Weltbevölkerung zehn Milliarden ausmachen.
Diese Zahlen entfalten
ihre ganze
Bedeutsamkeit, wenn man sich bewusst macht, dass die Population der
Braunbären
in Frankreich zahlenmäßig kleiner ist als eine einzige
französische Großfamilie
(samt Großeltern, Onkeln und Tanten, Cousinen und Cousins); dass in Marokko sowohl die Population der
Panther als auch die der Geparden und wahrscheinlich sogar schon die
der Hyänen
zahlenmäßig kleiner als eine einzige marokkanische Familie
ist. In jedem Land
sind unbegrenzte Beispiele erkennbar, die veranschaulichen, dass wir
maßlos
viel Platz besetzen und die Erde buchstäblich aufzehren, und dabei
die
Lebensbedingungen von Milliarden Kindern, Frauen und Männern
verschlimmern, so
dass sich, falls dieser Prozess nicht bald gestoppt und in die
Gegenrichtung
gelenkt wird, die Frage des Überlebens selbst für die
menschliche Gattung
stellt.
Jahrhundertelang oder sogar jahrtausendelang haben
unsere
„Zivilisationen“ ein sich kontinuierlich verschlechterndes
Verhältnis zu den
anderen Gattungen unterhalten und reproduziert. Dieses Verhältnis
hat seine
Entsprechung in dem blutroten Pfeil der Geschichte durch die
Herausbildung
einer künstlichen Gegensätzlichkeit zwischen „Humanität
und Animalität“, „Seele
und Körper“, „Mann und Frau“, „Zivilisiertem und Wildem“,
„Weißem und
Schwarzem“, „Arier und Jude“, „Tutsi und Hutu“, usw., gefunden.
Heute
nimmt
diese Opposition häufig die Form des entfremdeten Besitzers der
letzten
technologischen Erfindung gegenüber dem Vergessen der
„Entwicklung“ an. Obwohl
diese Gegenüberstellungen chronologisch aufeinander zu folgen
scheinen,
überlagern sie sich oft um zusammen einen Komplex von Vorurteilen
zu bilden,
der sich hinter der hübschen Maske „Kultur“ versteckt.
„Es ist niemals
ein
Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein“
schrieb
Walter Benjamin.
Dieser unheilvolle Prozess, hier skizziert, erreicht
seine
historische Grenze. Gegenwärtig, „mit steigender Tendenz“ von
einer direkten
Beziehung zu den anderen Arten und der Natur weit entfernt, als echte
„denaturierte Tiere“ versinken
wir in einer künstlichen und
entzauberten Welt,
einer Quelle größter Gefahren.
Auf der Basis dieser
Feststellungen und dieser
Werte und der Weltanschauung die sich daraus entwickelt, haben wir
unseren Teil
der Verantwortung auf uns genommen, nämlich eine Aktion zu
starten, zwar
bescheiden in ihren Proportionen, aber groß in ihren Absichten
und ihrer
symbolischen Bedeutung, um an der notwendigen Umkehr der Dinge
mitzuwirken.
Ziele des Vereins
- Die GEOS hat als
erstes Ziel zu der Entwicklung einer neuen
Beziehung der
Frauen –und Männer zu den anderen Tierarten beizutragen, um der
Veränderung des
bestehenden Herrschafts- und Zerstörungsverhältnisses in
Richtung eines
wiedergefundenen Gleichgewichtes und eines neuen Respekts in der
Geschichte der
Menschheit zu verhelfen.
- Die GEOS wird durch
eine Ethik des Respekts
vor allen
Formen des Lebens, bezogen sowohl auf Wirbeltiere als auch auf den
größten Teil
der Wirbellosen (Insekten, Spinnentiere, usw.) getragen.
- Die GEOS
wird Exkursionen,
Naturreisen und Expeditionen in Frankreich wie auch in
verschiedene Gebiete der Welt, vor allem in Afrika, insbesondere in Regionen
der Sahara organisieren. Gegenstand dieser Exkursionen, Reisen und
Expeditionen
wird es sein, sowohl unterschiedliche Tierarten zu beobachten– ohne
dabei die
Pflanzenwelt zu ignorieren – als auch die Teilnehmer dazu zu bewegen
systematisch die gemachten Beobachtungen und Photographien zusammen zu
führen
um sie entweder im
Internet oder in einem Bulletin oder etwa in Zeitschriften
zu veröffentlichen - und dies im Dienst der
Rettung von gefährdeten Arten und
Ökosystemen. Dabei werden diese
Natur bezogenen Exkursionen, Reisen und Expeditionen
unter Beachtung der von der GEOS
initiierten Charta für die Achtung
der Arten und Ökosysteme organisiert und dazu
beitragen, dass dies
auf eine
solche Art und Weise erfolgt, die durch Förderung einer nachhaltigen und erträglichen Entwicklung
imstande sein wird, die betroffenen Bevölkerungen von unserer
Herangehensweise
zu überzeugen.
- Die GEOS wird sich
auch bemühen theoretische,
philosophische Denkarbeit und
entsprechende Schriften anzuregen. Die besten Schriften werden entweder
auf der
Homepage des Vereins oder auf anderen Supports
veröffentlicht.
- Die GEOS wird
sich bemühen, bei den jüngeren Generationen, bei den
Lehrkräften und
Bevölkerungen eine Rolle zu spielen bei der Sensibilisierung zum notwendigen Respekt
sowohl gegenüber der
Biodiversität als wesentlicher Bestandteil
unserer Biosphäre als auch zum nicht weniger notwendigen Respekt
gegenüber den
zahlreichen einzelnen Vertretern verschiedener Gattungen (Wirbeltiere
und
Wirbellose)
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„Du
wirst mit gleicher Höflichkeit Schlangen,
Skorpione, Taranteln
und jede schädliche Bestienart behandeln. Schädlich bist Du
selbst mehr noch
als die Bestie: Bist es Du selbst, den Du in ihr bestrafen
möchtest? Lasse sie
weglaufen, und deine Tücke mit ihr“
schrieb
Lanza del Vasto.
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Solifuge
im Norden der marokkanischen Sahara. ©M.A.
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Ein
wichtiger
Respekt, davon sind wir überzeugt,
sowohl für unser
intellektuelles und moralisches Gleichgewicht als
auch für die Entwicklung unserer
Gattung wie auch für die
Mannigfaltigkeit des Lebens auf die Erde. Eins der Mittel
um das zu
erreichen ist es Vorurteile zu enthüllen, irrationelle Ängste
und Phobien zu
überwinden, die oft unsere Beunruhigung nicht zu kontrollieren und
zu
beherrschen vermögen „Wir sind
zum Beherrschen erzogen. Alles was
uns nicht
gehorcht macht uns Angst.“ (François Terasson)
- Die GEOS wird
Verbindungen und
Beziehungen zu anderen Vereinen, Institutionen, Forschungszentren,
Universitäten, Personen, usw. herstellen und pflegen, welche
ebenfalls in Richtung der in dieser
Gründungserklärung
erklärten Ziele wirken.
- Dabei wird die GEOS eine
privilegierte Partnerschaft mit dem GERES (Groupe d'Etude et de Recherches des
Ecologistes Sahariens) aufrechterhalten.
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